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Wirtschaft

29.03.2017 - Artikel

Stand: März 2017

Wirtschaftslage

Liberia ist reich an natürlichen Ressourcen. Allein die Eisenerzvorkommen werden auf 2 bis 5 Milliarden Tonnen geschätzt. Vor der Küste wurden Erdölvorkommen entdeckt, deren Förderbarkeit und kommerzieller Wert jedoch noch geprüft werden müssen.

Es gibt gute Voraussetzungen für nachhaltige Landwirtschaft, die derzeit noch mehr als 60 Prozent des BIP erbringt. Die wichtigsten makroökonomischen Kennzahlen waren in den Jahren vor Ausbruch der Ebola-Epidemie gut. Liberia hatte hohe Wachstumsraten bei nur moderater Staatsverschuldung - nach Erlass von rund 4,6 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden.

Wichtigste Exportgüter bleiben Rohstoffe, vor allem Eisenerz und Rohkautschuk, aber auch Palmöl und Holz sowie Gold und Diamanten.

Daneben bleibt das liberianische Schifffahrtsregister eine wichtige Devisenquelle. Auch zahlreiche deutsche Schiffe fahren unter liberianischer Flagge. Für die Teilnahme an der Initiative zur Verbesserung der Transparenz in der Rohstoffindustrie (Extractive Industries Transparency Initiative – EITI) ist Liberia als erstes afrikanisches Land als "compliant" gelobt worden.

Seit 2015 sind – insbesondere in Folge der Ebola-Epidemie und des Einbruchs der Weltmarktpreise für Eisenerz, Rohkautschuk und Palmöl – deutliche Wachstumseinbußen zu verzeichnen. Viele ausländische Unternehmen reduzierten ihr internationales Personal oder zogen es ganz ab. Größere geplante Neuinvestitionen wurden verschoben.

Viele Produzenten können derzeit nicht kostendeckend in Liberia fördern. Die mit den genannten Entwicklungen einhergehenden Steuerausfälle verschärfen die Budgetprobleme der Regierung. Im Jahr 2016 betrug das reale Wachstum des BIP -1,2 Prozent. Für 2017 prognostiziert der IWF ein BIP-Wachstum von 3,2 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, bleibt weiterhin sehr hoch. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung dürften unterbeschäftigt bzw. im informellen Sektor tätig sein, bestätigte Zahlen dazu gibt es jedoch nicht. Die Inflation lag 2016 bei etwa 8,7 Prozent, ausgelöst durch den weltweiten Anstieg der Nahrungsmittelpreise und den fallenden Kurs des liberianischen Dollars.

Umweltpolitik

Liberia besitzt mit rund 40 Prozent der Gesamtfläche des Landes den größten noch verbleibenden Primärwald in Westafrika. Der Regenwald ist durch zunehmende Abholzung gefährdet - auch, weil er für die Bevölkerung immer noch eine wesentliche Quelle für Nahrung und Beschäftigung darstellt. Mit der EU gibt es seit 2011 ein "Voluntary Partnership Agreement" zur Zertifizierung von Holzexporten. Die Holzfirmen halten sich aber nicht immer an die einschlägigen Gesetze.

Mit Unterstützung der KfW soll deshalb der Sapo-Nationalpark im Südosten des Landes besser geschützt und außerdem ein natürlicher Korridor durch den Grebo-Forst bis zum Taï-Nationalpark im Südwesten von Côte d'Ivoire gebildet werden.

Gravierende Probleme stellen die Müll- und Abwasserbeseitigung und Trinkwasserversorgung dar. Lediglich 58 Prozent der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Wasser und nur 37 Prozent zu sanitären Einrichtungen.

Liberia ist einer Vielzahl internationaler Vereinbarungen im Bereich des Umweltschutzes beigetreten, u.a. der Konvention zum Schutz des Weltkultur- und Naturerbes, der Konvention zum grenzüberschreitenden Handel gefährdeter Arten im Tier- und Pflanzenbereich (CITES), der Konvention zur biologischen Vielfalt, der Rahmenvereinbarung zum Klimaschutz, den Wiener Vereinbarungen zum Schutz der Ozonschicht und dem Kyoto Protokoll.

Liberia verfügt über eine umfassende innerstaatliche Umweltgesetzgebung. Umweltschutz genießt Verfassungsrang. Es wird jetzt darauf ankommen, diese Gesetze auch mit Leben zu füllen und durchzusetzen. Dies dürfte mit der Schaffung von Arbeitsplätzen einhergehen und somit dazu beitragen, die hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren.

Noch ist die umweltgerechte Beseitigung chemischer Substanzen auf den Kautschuk-Plantagen wie auch bei Bergbauaktivitäten oft mangelhaft. Die staatlichen Umweltschutzbehörden wie die Environmental Protection Agency (EPA) und die Forest Development Agency (FDA) sind schwach. Liberia ist derzeit nicht in der Lage, seine reichen Fischbestände wirksam vor illegaler Fischerei zu schützen. Am 09. Dezember 2015 unterzeichnete Liberia ein Fischereiabkommen mit der EU.

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